Buchhandlung Herwig Schlüsselbilder
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Dieser kurze geschichtliche Überblick basiert auf der 1998 zum 125-jährigen Jubiläum erschienenen Veröffentlichung "125 Jahre Buchhandlung Herwig - Versuch einer Chronik" von Peter Herwig. Ein unterhaltsamer Überblick über 125-Jahre Buch- und Zeitgeschichte.


Bei Interesse wenden Sie sich bitte an uns. Wir überreichen Ihnen gerne ein kostenloses Exemplar (solange Vorrat reicht).

 

   1873  Erwin Herwig gründet eine Buch- und Musikalienhandlung unter gleichem Namen in Göppingen. "Komm nach Göppingen" hatte ihm sein Schwager Koch geschrieben, der Arzt an der Landerer'schen Klinik war. Diesem Rat folgt der vom Pietismus geprägte 24-jährige Buchhändler aus Brackenheim, nach 9 Lehr- und Wanderjahren in renommierten Häusern.

 

   1877  Erwerb des Hauses "Zum Palmbaum", Ecke Kirch- und Freihofstrasse, einer ehemaligen Wirtschaft. Hier befindet sich, nach etlichen Umbauten, das Stammhaus noch heute. Immer wieder, so wurde erzählt, kamen sonntags Bauern von der Alb in den Laden und waren enttäuscht, dass es hier bloß noch Bücher gab und keine Viertele mehr...  


   1914
  Im Februar zieht sich Erwin Herwig zurück und übergibt die Firma an seine beiden Söhne. Die Pläne sind weit gespannt, es herrscht Aufbruchstimmung. Doch es kommt ganz anders, es kommt zum Krieg. Und als der Krieg vorbei ist folgen schwierige Jahre. In einer Kleinstadt ist die Basis für eine Buchhandlung recht eng.


   1933  Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beginnt das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. In der Buchhandlung ist davon zunächst nichts zu merken - die Geschäfte gehen gut. Mit der Bücherverbrennung in Berlin setzen die neuen Machthaber aber schon bald ein Zeichen, dem noch weitaus schlimmere Taten folgen werden.


   1939  Die beiden Brüder Herwig sterben bereits in den ersten Kriegsjahren. Die Buchproduktion wird zunehmend vom Staat gesteuert. Die Umsätze fallen mangels Ware in den Keller, immer öfter bleibt der Laden geschlossen. Bei Kriegsende zählt man in der Stadt (23.000 EW) an die 2.000 Gefallene und Vermisste. Von den jüdischen Bürgern wurden 70 in den Vernichtungslagern ermordet, 233 konnten auswandern.


   1945  Im April besetzen amerikanische Streitkräfte kampflos die Stadt. Es fehlt an allem. Die Buchhandlung ist fast pleite. Schließlich wird Grete Herwig als "unbelastet" eingestuft und erhält die Arbeitslizenz Nr. 10 der Militärregierung zur Führung der Buchhandlung.


   1948  Mit der Währungsreform beginnt die Zeit, die wir heute als Wirtschaftswunder in Erinnerung haben. Peter Herwig kehrt mit 21 Jahren aus der Kriegs-Gefangenschaft zurück und nutzt die Gunst des Neubeginns.


   1955  Als Adenauer bei seinem Besuch in Moskau die letzten 10.000 Kriegsgefangenen mit nach Hause bringt, da ist Göppingen auf 45.000 Einwohner angewachsen, darunter allein 12.000 Vertriebene. Die Wirtschaft brummt, die Buchhandlung auch. Sie wird in diesen Jahren mehrmals vergrößert, so wie auch der Zeitschriftenkiosk am Bahnhof.


   1968  Die Bundesrepublik erlebt gerade den ersten leichten Konjunktureinbruch. Die Studentenbewegung sorgt für Aufregung und bringt längst fällige Reformen in Gang. 1969 erreicht Willy Brandt den Machtwechsel in Bonn. Es beginnt die sozialliberale Ära und mit Neil Armstrong betritt der erste Mensch den Mond. Es herrscht Vollbeschäftigung. Zum neu entstandenen Freizeit-Markt gehören auch Bücher. Die Zahl der Neuerscheinungen steigt von Jahr zu Jahr sprunghaft an: von 14.000 in 1950 über 22.500 in 1960 auf jetzt 47.000.


   1973  Zum 100-jährigen Jubiläum wird in Geislingen die ehem. Schubart-Buchhandlung erworben. In Göppingen feiert man nach einem umfassenden Neu- und Umbau die Wiedereröffnung mit einem Vortrag von Albrecht Goes und der Ausstellung "Göppingen literarisch". Der neue Laden ermöglicht ein regelmäßiges und vielseitiges Veranstaltungsprogramm. Eine Tradition, die bis heute fortgeführt wird.


   1982  In Geislingen wird die Buchhandlung um das Doppelte vergrößert. Zur Eröffnung nach dem Umbau gibt es für die Kunden ein kleines Geschenk. Ein Mini-Buch, das sich bald zum erfolgreichsten Titel des Herwig-Verlags mausern wird: "Das schwäbische Dictionärle". Es werden schließlich mehr als 500.000 Ex. verkauft. Das Mini-Buch gibt es noch heute - natürlich exklusiv nur bei Herwig. Und noch etwas geschieht, völlig unspektakulär: Der erste Computer wird installiert (und bestaunt). Es ist ein IBM-PC mit dem Betriebssystem MS-DOS zu einem Preis, für den man sich heute fast ein ganzes Netzwerk installieren kann.


   1986  Die Branche wandelt sich. Filialketten und Buchkaufhäuser entstehen. Fläche ersetzt Personal, das ist das Rezept. In Ulm am Münsterplatz entsteht derweil die zweite große Buchhandlung. Aufbau und Leitung liegen bei Till Herwig, seiner Frau und den knapp zwanzig Mitarbeitern. Nach Ausbildungsstationen in München, Berlin und Bonn übernimmt damit der Urenkel in der Firma Verantwortung.


   1991  Nach Geislingen muss auch die Buchhandlung in Göppingen erneut renoviert werden. Dabei kommt es zu einer großen Lösung. Verwaltung und Verkauf werden getrennt und so ausgestattet, wie es für das gewachsene Unternehmen notwendig ist. Die EDV steuert sämtliche Arbeitsbereiche. Zum Jahresende erfolgt die Eröffnung der Buchhandlung im Bahnhof von Geislingen, die inzwischen - auch das ist mitunter sinnvoll - geschlossen wurde. Der Bahnhofsbuchhandel - einst ein florierender Geschäftszweig - hat an Bedeutung verloren. Und so wurde in Folge auch die Buchhandlung im Göppinger Bahnhof an ein spezialisierteres und größeres Unternehmen verkauft.


   1993  Mit der Schlosser'schen wird die älteste Buchhandlung Augsburgs übernommen. Gegründet 1719, steht sie für eine im besten Sinne traditionelle Auffassung vom Buchhandel - überschaubar, persönlich und gediegen.


   1997  In Ulm wird die Buchhandlung erweitert und aufwendig umgebaut. Es entsteht ein großzügiges, elegantes Buchhaus über drei Ebenen. Im Herbst folgt die Eröffnung der neuen Buchhandlung in Schwäbisch Gmünd.


   2000  Die eigene Internet-Buchhandlung geht "in's Netz". Online-Recherche, Informations- , Kommunikations- und Bestellmöglichkeiten rund um die Uhr verbinden die Möglichkeiten des neuen Mediums Internet mit denen des "alten" Mediums Buch.


   2002  Anfang April wird in Aalen in der Radgasse die fünfte Buchhandlung in der Region eröffnet. Unter anderem erstmals mit der Cafebar "Libresso", die es inzwischen auch in Ulm, Göppingen und Heidenheim gibt. Im Rahmen der Eröffnungswerbung wird als Gewinnspiel online ein "Endlosgedicht" initiiert, an dem bis zum Ende des Jahres Hunderte Freizeitdichter teilnehmen - vielleicht das längste Gedicht das die Welt je gesehen hat.


   2007  Im September wird mitten in der Heidenheimer Fußgängerzone die (vorerst) letzte Buchhandlung eröffnet. 700 qm auf zwei Etagen. Mit Aufzug, Cafebar und allem erdenklichen Komfort für unsere Kunden. Die Großzügigkeit und eine neue Regaltechnik ermöglichen es Bücher und Geschenkartikel besonders attraktiv zu präsentieren. Dazu sind ab sofort alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einheitlich und dezent in schwarze Hemden und Blusen gekleidet. Ein kleines Detail mit großer Wirkung: Es erleichtert unseren Kunden die Ansprache und sieht einfach chic aus.


   2008  Die Ulmer Buchhandlung bekommt mit Zweitausendeins einen "Untermieter". Liebhaber ausgefallener Jazzmusik werden ihn kennen. Ebenso die Anhänger vergessener Buchklassiker. Und die 68-er Generation sowieso. Ab Ende Juli kann man im Obergeschoss neben der Cafebar und der zentralen Buchabholung eine schöne Auswahl an Büchern und CDs des Frankfurter Kult-Verlags anschauen und kaufen. Damit können sich die Enthusiasten ab sofort den Weg nach Stuttgart oder München sparen. Gleichzeitig wird im Erdgeschoss die Buchhandlung erweitert um dort das bisherige Angebot von Herwig aus dem Obergeschoss zu integrieren. Im Herbst folgt bei der Schlosserschen in Augsburg ein Zweitausendeins-Shop in gleicher Weise.